Content Curation: Gegen das Rauschen im Web

Das Kuratieren von Inhalten ist eine Taktik des Content Marketing. Einige Hinweise und Erfahrungen, die wir aus mehr als sieben Jahren Content Curation gewinnen konnten.

Screenshot C36daily
Screenshot C36daily

C36daily ist eine Presseschau, die wir seit über 7 Jahren produzieren und werktäglich an rund 10’000 Abonnenten per Mail versenden. 10 bis 15 Beiträge verweisen auf die wichtigsten News und Artikel schweizerischer und internationaler ICT-Publikationen. Fast schon traditionell wählt die Redaktion die Artikel «händisch» aus.

Früher, als es Content Curation noch nicht gab

Lange Zeit haben wir den C36daily eben als «Presseschau» oder «Medienspiegel» bezeichnet; eine Funktion, die schon immer von Journalisten wahrgenommen wurde. Heute wissen wir es besser: Was wir mit dem C36daily tun, heisst «Content Curation». Der Begriff «Content Curation» meint dabei nichts anderes, als Inhalte nach Relevanz zu gewichten und zu teilen. Man macht sich zu einem menschlichen Filter im Web.

Unternehmen können Content Curation als eine Taktik des Content Marketings einsetzen; eine weitere Möglichkeit, Kunden und Prospects mit interessanten Inhalten zu versorgen, und damit im günstigen Fall Mehrwert zu stiften. Tatsächlich kann das sehr gut funktionieren, wie wir aus den Erfahrungen mit C36daily wissen. Mail-Öffnungsraten um die 35 Prozent und viele Zuschriften von Abonnenten zeigen, dass die Dienstleistung geschätzt wird. Wer als Unternehmen über Content Marketing nachdenkt, sollte Content Curation deshalb als Massnahme in Betracht ziehen.

Sich Expertenstatus erarbeiten

Content Curation kann helfen, die eigene Kompetenz unter Beweis zu stellen. Wer in einem Wissensgebiet Relevantes von «Noise» unterscheiden kann, zeigt Expertise und Erfahrung. Kuratieren stützt die Positionierung als Experte. Dank regelmässiger Publikation bleibt man zudem in Kontakt und im Gespräch. Das gilt sowohl für Kunden und Prospects, aber auch für die Quellen, aus denen man die Inhalte auswählt. Backlinks oder Twitter-Mentions sorgen im Web für die entsprechende Aufmerksamkeit und unterstützen die Vernetzung.

Gesucht: Unübersichtlichkeit

Eine der ersten Fragen ist die Wahl des Themas. Dieses Thema muss eine wichtige Eigenschaft aufweisen: Die Berichterstattung dazu ist unübersichtlich. Oder anders ausgedrückt: Wer sich für das Thema interessiert, muss unter der Vielfalt der Publikationen «leiden». Ist das nicht der Fall, bringt ein Filter logischerweise keinen Nutzen. Der Bereich «ICT» ist so ein Thema: Sehr viele Medien und Websites publizieren täglich Tausende von Artikeln. Hingegen kann es beim Thema «Arbeitssicherheit» schwierig werden: In der Schweiz gibt es dazu zwei Publikationen und weniger als eine Handvoll Websites.

Notwendig: Expertise und Erfahrung

Das Filtern und Auswählen der Artikel nach Relevanz für die Zielgruppe bedingt einiges an Erfahrung und Überblick. Was ist wirklich neu, was ist wirklich wichtig, was ist wirklich fundiert? Gerade in Zeiten, in denen Medien gerne das eine oder andere Thema wiederverwerten, «Native Advertising» unter den redaktionellen Inhalt mischen, oder mit Gerüchten zum neuesten Produkt XY arbeiten, sind fundierte Kenntnisse des Markts wichtig – sowohl hinsichtlich der Themen wie auch der Bedürfnisse der Zielgruppe.

Ein verlässlicher Partner

Regelmässigkeit ist eine weitere wichtige Voraussetzung. C36daily ist inzwischen der verlässliche Partner, um sich über ICT-Themen zu informieren. Er erscheint jeden Werktag pünktlich um 8 Uhr. Wer sich ein Content-Curation-Projekt vornimmt, sollte mit der Einstellung eines Marathon-Läufers daran gehen.

Der Werkzeugkasten

Der Kurator oder die Kuratorin benötigt Werkzeuge für Input und Output. Zuerst gilt es darüber nachzudenken, in welcher Form man die ausgewählten Inhalte verteilen und präsentieren will. Dank den sozialen Netzwerken sind eine Reihe von Möglichkeiten dazugekommen. Für mich bleibt allerdings der E-Mail-Newsletter der Favorit. E-Mail als Kanal ist weit verbreitet und wir verbringen alle viel Zeit in unserer Inbox. Der Newsletter per Mail kann übersichtlich gestaltet werden und funktioniert in der Regel auf allen möglichen Geräten. Wer keinen E-Mail-Newsletter will, kann regelmässig Blogartikel mit kommentierten Links publizieren (wie hier bei Martin Weigert) oder Twitter oder Facebook zur Verbreitung nutzen (hier etwa unsere #tinklinks).

Der gute, alte RSS-Reader

Sucht man sich die Inhalte online zusammen, ist ein Feed-Reader ein unerlässliches Werkzeug. Damit lassen sich Websites abonnieren und an einem Ort lesen. Angebote wie feedly.com machen es möglich, sehr viele News-Quellen effizient zu überwachen. Daneben können auch Read-it-later-Dienste wie Instapaper oder Getpocket nützliche Tool sein, genau so wie Twitter-Listen. Twitter-Listen sind eines der am meisten unterschätzten Features des Kurznachrichten-Dienstes. Klug zusammengestellt reduzieren sie das Rauschen auf dem Kanal auf ein Minimum.

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Screenshot feedly.com

Erfolg hat, wer nicht zum Rauschen beiträgt

Content Curation kann für ein Unternehmen eine sehr gute Taktik sein, um die Zielgruppe mit nützlichen Informationen zu versorgen und seine Kompetenz zu zeigen. Wie bei jeder Content-Marketing-Taktik braucht es dafür ein zielorientiertes Vorgehen und ausreichend Ressourcen. Denn auch wenn man selber keine Inhalte erstellt, müssen für Auswahl, Aufbereitung und Distribution genügend Ressourcen vorhanden sein. Der ultimative Prüfstein für eine Content-Curation-Massnahme ist die Frage, ob sie hilft, die «Signal-to-Noise»-Ratio zu verbessern. Am Ende wollen wir damit Übersichtlichkeit schaffen – und nicht zum Rauschen beitragen.

PS: Wer den C36daily abonnieren will – sehr gerne!

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tl;dr

Content Curation kann eine wertvolle Massnahme im Content-Marketing-Mix sein. Vorausgesetzt, das Thema stimmt und man hat einen langen Atem.

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